"Meine Frage an die Kirche"

Beim Auftakt der Bezirksaktion "FantasTisch - Kirche, Luther & mehr" wurden auf einer Pinwand Fragen an die Kirche gestellt.
Diese Fragen werden von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Kirchenbezirk Leonberg derzeit beantwortet.

Nachfolgend können Sie die ersten Fragen und Antworten lesen.

Meine Frage an die Kirche

  • add Warum machen wir die FantasTisch-Aktion im LEO-Center und nirgends gibt es ein Kreuz und einen Ort zum Gebet und Segen?

    Das Aktionslogo wurde bewusst so gestaltet, dass ein Kreuz im Wort „FantasTisch“ deutlich erkennbar ist:

    Im farblich hervorgehobenen „t“ ist das Kreuz zu sehen. Das Aktionslogo war an vielen Stellen der Aktionsfläche sichtbar.

    Richtig ist, dass wir keinen Ort zum Gebet und Segen eingeplant haben. Wir wollten mit der Aktion in erster Linie informieren, niederschwellig auf die Kirche hinweisen und mit interessierten Menschen ins Gespräch kommen. Gebet und Segen, die prinzipiell überall möglich sind, haben in der Regel andere Orte und Gelegenheiten.

    Dekan Wolfgang Vögele, Leonberg

  • add Warum muss mein Mann Kirchensteuer bezahlen, obwohl er nicht in der Kirche ist? Ich (Ehefrau) bin in der Kirche, bin berufstätig und bezahle eigene Kirchensteuer! Da will man dich austreten?!

    Das besondere Kirchgeld in glaubensverschiedenen Ehen wird in Baden-Württemberg von den evangelischen Landeskirchen von den Kirchenmitgliedern erhoben, die selbst kein oder ein nur geringes steuerpflichtiges Einkommen haben und deren Ehegatte keiner, bzw. keiner steuererhebenden Religionsgemeinschaft angehört. Da das Einkommen des nicht der Kirche angehörenden Ehegatten nicht besteuert werden darf, würde in diesen Fällen die nur vom Kirchenmitglied zu erhebende Kircheneinkommensteuer seine tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht ausreichend berücksichtigen und wäre zu niedrig. Dies würde zu Steuerungerechtigkeiten gegenüber konfessionsgleichen oder konfessionsverschiedenen Ehen führen. Mit dem besonderen Kirchgeld in glaubensverschiedenen Ehen wird faktisch der Lebensführungsaufwand des Kirchenmitglieds besteuert. Bemessungsgrundlage ist das gemeinsame zu versteuernde Einkommen unter Berücksichtigung des § 51 a EStG. Die Höhe des besonderen Kirchgelds ist in einer Tabelle festgelegt (beginnend bei einem zu versteuernden Einkommen von 30.000 € mit jährlich 96 € und endend mit einem zu versteuernden Einkommen von 300.000 € und mehr mit jährlich 3.600 €).

    Vom Kirchenmitglied gezahlte Kircheneinkommen- oder Kirchenlohnsteuer wird auf das besondere Kirchgeld angerechnet. Das besondere Kirchgeld wird von Finanzämtern festgesetzt und erhoben.

    Dekan Wolfgang Vögele, Leonberg

  • add Welche Angebote gibt es in der Landeskirche; die die Altersgruppe 20 bis 40 Jahre ansprechen? Gottesdienste, Aktionen, Hauskreise …

    Mit vielen Menschen in dieser Altersgruppe komme ich als Pfarrer im Zusammenhang mit Trauungen und Taufen (der Kinder) in Kontakt. Diese wichtigen Feste des Lebens liebevoll und ansprechend zu gestalten, ist mir – und mit mir all meinen Kolleginnen und Kollegen – ein großes Anliegen.
    Abgesehen von Trauungen, Taufen und natürlich (Familien)Gottesdiensten fällt die Antwort auf die oben genannte Frage je nach Ortsgemeinde dann aber ganz unterschiedlich aus. Grund dafür ist, dass „die (Landes)Kirche“ aus vielen verschiedenen Menschen besteht, die sich vor Ort mit ihren Wünschen, Ideen und Gaben einbringen – oder eben auch nicht. Anders gesagt: Sind Menschen zwischen 20 und 40 Jahren in einer Kirchengemeinde fröhlich und von Herzen dabei, wird es auch Angebote für sie geben. Von daher kann ich es nur persönlich sagen: Voller Dankbarkeit denke ich zurück an viele Hauskreisabende, Gottesdienste für junge Erwachsene, Kanutouren, Festivalbesuche, Spieleabende, Silvesterfreizeiten …, die ich zwischen 20 und 25 Jahren in meiner Heimatgemeinde miterleben und teilweise auch mitgestalten durfte. Und es freut mich sehr, dass ich in meiner jetzigen Gemeinde Männer und Frauen zwischen 20 und 40 Jahren im Hauskreis, bei Sing- und Gebetsabenden, in der Minikirche und ab und an auch in Gottesdiensten treffe. Ich gebe zu: das ist ausbaufähig! Doch ein Ausbau wird nur dann stattfinden, wenn Menschen zwischen 20 und 40 Jahren nicht nur auf Angebote warten, sondern selbst aktiv werden, Kirche mitgestalten und ansprechende Angebote auf die Beine stellen. Da meine Frau und ich selbst noch zur genannten Altersgruppe gehören, werden wir fröhlich und dankbar daran teilnehmen!

    Pfarrer Christoph Fritz, Friolzheim

  • add Warum können evangelische und katholische Christen nicht endlich gemeinsam Abendmahl feiern? Es wird höchste Zeit!

    Christen haben sich über das Abendmahl immer wieder Gedanken gemacht. Dabei kam es auch zu harten Auseinandersetzungen. Wir können das heute vielleicht nur schwer nachvollziehen, aber ein Grund für diese Streitigkeiten ist: das Abendmahl ist etwas so Wichtiges und Wertvolles, dass man es auf keinen Fall leichtfertig und ohne die nötige Ehrfurcht feiern wollte. Das Abendmahl ist nämlich keine Veranstaltung der Kirche oder der Pfarrer und Pfarrerinnen – das Abendmahl ist das „Herrenmahl“ (wie es im Neuen Testament heißt), also: das Mahl des Herrn; das Mahl, bei dem der gekreuzigte und auferstandene Jesus der Gastgeber ist und – die Gabe.
    Gefährlich wird es immer dann, wenn bei den Diskussionen um das Abendmahl die Ehrfurcht vor dem Herrenmahl schrumpft und stattdessen die „Erkläreritis“ und die „Ausschließeritis“ um sich greift. Denn: erklären können wir das Abendmahl nie (und das müssen wir auch nicht) – wir sollen das Abendmahl voll Ehrfurcht empfangen und sollen uns von unserem Herrn reich beschenken lassen. Mehr als das: reich beschenkt werden wollen von unserem Herrn – mehr als das müssen wir nicht wollen, wenn wir zum Abendmahl gehen. Deshalb sollte man in der Tat die evangelischen und römisch-katholischen Kirchentüren zum Abendmahl weit, weit aufmachen.

    Pfarrer Gebhard Greiner, Merklingen

  • add Was kann die evangelische Kirche noch tun, damit sich die katholische und die evangelische Kirche – auch offiziell – stärker annähern können?

    Zugespitzt gefragt: Können wir Christen die Einheit der Kirche herstellen? Nein, das können wir nicht – wir können die Einheit der Kirche nur zerstören. Die Einheit der Kirche besteht nämlich darin, dass wir Christen alle einen Herrn haben, an den wir glauben. Der eine Herr und der eine Glaube an Jesus Christus – das ist die Einheit der Kirche. Deshalb ist die fehlende Einheit der Kirche immer das Ergebnis unseres fehlenden Glaubens an den einen Herrn. Wenn wir unsere eigenen (noch so gut gemeinten) Interessen in den Mittelpunkt stellen – und nicht den einen Herrn Mittelpunkt sein lassen, dann zerstören wir die Einheit der Kirche. Wenn wir unsere eigenen Traditionen, unsere eigenen Lieblingsthemen, unsere eigenen „Besitzstände“ in den Mittelpunkt stellen – und nicht den einen Herrn Mittelpunkt sein lassen, dann zerstören wir die Einheit der Kirche. Und dagegen – gegen den fehlenden Glauben an den einen Herrn –, dagegen hilft nur eines: Buße, Umkehr aus der Sackgasse, Rückkehr zu dem einen Herrn. Je näher die Kirchen und Gemeinden ihrem einen Herrn kommen, desto näher kommen sie sich auch untereinander – bei allem Reichtum der Unterschiede.

    Pfarrer Gebhard Greiner, Merklingen

  • add Gibt es Gott wirklich?

    Dietrich Bonhoeffer sagte einmal: „Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht!“  

    Ob es Gott „wirklich gibt“ – ich denke, das ist niemals eine neutrale, sondern immer eine ganz persönliche Frage. Die Frage setzt schon eine bestimmte Vorstellung von Gott voraus.

    Daraus könnte zum Beispiel das Bedürfnis sprechen, ihn sehen und berühren zu können, mit ihm sprechen oder ihm widersprechen zu können, sich an seiner Hand festhalten zu können – genau wie bei einem Menschen.  Oder der Wunsch, dass Gott mir eine Bitte im Gebet so erfüllt, wie ich es gerne hätte.  Wäre er dann für mich „wirklich?“

    Gott benennt sich nach dem Alten Testament selbst als den, der im Sein und im Werden ist: „Ich werde sein, der ich sein werde. Ich werde mit dir sein“.

    Gott macht es zu seiner Sache, ob und wie er sich auf seinem Weg mit mir als vertrauenswürdig und wirksam erweist. Ob er mir auch hilft, mit meiner offenen Frage zu leben? Zuzutrauen wär´s ihm, nach dem, was wir aus der Bibel wissen.

    Pfarrerin Annette Rüb, Wimsheim

  • add Warum bleibt die Jugendarbeit in unserer Kirche ein Stiefkind? So sterben die Gemeinden aus! Welche neuen Akzente werden in der Jugendarbeit gesetzt?

    Die Evangelische Kirche und die Kirchengemeinden wissen, wie wichtig die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist. Denn jede Generation muss wieder neu zum Glauben finden. Viele Gemeinden versuchen deshalb, besonders in die Jugendarbeit und damit in die Zukunft der Kirche zu investieren. Im Bezirk Leonberg gibt es mehrere hauptamtliche Jugendreferenten, die speziell in diesem Bereich arbeiten. Zahlreiche Ehrenamtliche bringen sich Woche für Woche mit Leidenschaft in die Jugendarbeit ein. Laut einer Erhebung von 2013 sind dies alleine in den Jungschargruppen des Bezirks 280 Personen. Der gesellschaftliche Wandel ist aber eine Herausforderung für die kirchliche Jugendarbeit. Kinder und Jugendliche haben heute die Wahl zwischen einer Fülle von Angeboten. Die Lebenswelt verlagert sich zunehmend in die Schule. Deshalb gibt es neben klassischen Formaten wie Gruppenarbeit, Projekten, Großveranstaltungen und Freizeiten seit mehreren Jahren auch Kooperationsangebote an verschiedenen Schulzentren.

    Bezirksjugendreferent Simon Bäuerle, Leonberg

  • add Warum kämpft die Kirche nicht stärker für die gesellschaftliche Akzeptanz für das Kirchenasyl? Gnade hat eine verfassungsrechtliche Verankerung im Grundgesetz!

    Das „Kirchenasyl“ steht in einer jahrhundertealten Schutztradition, aus der heraus es sich in den letzten drei Jahrzehnten zu einer Art Institution entwickelt hat, die dann eingreift, wenn Abschiebung in Gefahrensituationen droht. Es ist die zeitlich befristete Aufnahme von Flüchtlingen ohne legalen Aufenthaltsstatus, denen bei Abschiebung in ihr Herkunftsland Folter und Tod drohen oder für die mit einer Abschiebung nicht hinnehmbare soziale, inhumanitäre Härten verbunden sind. Während des Kirchenasyls wird geprüft, ob Entscheidungen von Behörden überprüfungsbedürftig sind und ein neues Asylverfahren erfolgversprechend ist. In allen Fällen werden die Behörden und Gerichte über den Aufenthalt unterrichtet.

    Kirchenasyl geschieht nicht gegen die Behörden, sondern ist, um es mit einem Zitat des ehemaligen EKD Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber zu sagen, „kein Bruch geltender Gesetze, sondern ein Dienst am Rechtsstaat“.

    Grundlage für dieses „Miteinander“ ist eine im Februar 2015 zustande gekommene Vereinbarung mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Das Ziel, die Abschiebung zu verhindern, kann nur mit, nicht gegen die Behörden erreicht werden. Dass dieses Vorgehen der Kirchen in der Öffentlichkeit umstritten ist, ist in der gegenwärtigen politischen Großwetterlage in Deutschland und vielen Nachbarländern verständlich. Die Kirchen können dies nur bedingt durch glaubwürdiges Handeln und Auftreten in der Öffentlichkeit beeinflussen. Entscheidend ist, dass sich Gemeinden finden, die, wenn es nötig ist, Kirchenasyl ermöglichen und den betroffenen Menschen in ihrer Not helfen.

    Die Entwicklung der Rechtsprechung und die öffentliche Meinung hat die Kirche nicht in der Hand. Durch ihre Verkündigung in Wort und Tat kann sie aber ihre Überzeugungen in die Meinungsbildungsprozesse einbringen. Dass sich dies mancher deutlicher wünscht, ist verständlich, aber auch in der Kirche nicht unumstritten. Denn auch die Kirche selbst ist in Vielem ein Abbild unserer gesamten Gesellschaft.

    Pfarrer Peter Mende, Rutesheim/Silberberg

  • add Warum ist die Kirche in Deutschland die einzige weltweit, die Steuern vereinnahmt, von denen eine Gemeinde vor Ort nicht einmal ansatzweise leben kann (PfarrPlan!)?

    Die Frage basiert auf einem Missverständnis.
    Die notwendige Reduktion von Pfarrstellen und die zur Umsetzung erforderlichen grundlegenden Veränderungen in der Gemeindelandschaft bzw. Verwaltungsstruktur der Kirchengemeinden (PfarrPlan 2024) ist nicht abhängig von der aktuellen Finanzsituation der jeweiligen Kirchengemeinde – zumal sich die Haushaltssituation der Kirchengemeinden in unserem Kirchenbezirk als recht solide darstellt. Da die Pfarrerinnen und Pfarrer keine Angestellten der Kirchengemeinden sind, müssen die für die Pfarrbesoldung bereitzustellenden Mittel nicht von den Kirchengemeinden aufgebracht werden, weder durch die ihnen zur Verfügung gestellte Kirchensteuer noch durch Spendeneinnahmen vor Ort. Die Pfarrbesoldung ist Teil des landeskirchlichen Haushaltes.

    Ziel des PfarrPlans 2024 ist es, angesichts kircheninterner und gesellschaftlicher Entwicklungen die pfarramtliche Versorgung der Kirchengemeinden langfristig zuverlässig zu sichern. Das heißt auch künftig soll es möglich sein, dass rund 1800 bis 2000 Gemeindeglieder von einer Pfarrerin oder einem Pfarrer mit einem 100% Dienstauftrag begleitet werden können.

    Seit langem zeichnet sich ab, dass die Mitgliederzahlen unserer Gemeinden kontinuierlich sinken. Für die Zukunft bedeutet das: die Finanzkraft der Landeskirche insgesamt wird langfristig abnehmen. Zudem ist die Anzahl derjenigen, die sich auf den Pfarrdienst vorbereiten, deutlich geringer als derjenigen, die in den 2020er Jahren in den Ruhestand ausscheiden. Die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer nimmt also ebenfalls kontinuierlich ab, was zu einer Zunahme von freien, nicht zu besetzenden Pfarrstellen (Vakaturen) führen wird.

    In den alten Strukturen immer kleiner werdende Gemeinden, eine schwindende Zahl an Pfarrerinnen und Pfarrern sowie die zu erwartenden, langfristig zurückgehenden finanziellen Ressourcen erfordern in den kommenden Jahren deutliche umstrukturierende Maßnahmen, zu denen u.a. auch die Reduktion der Pfarrstellen gehört.

    Die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer deutlich zu erhöhen und alle offene Stellen neu zu besetzen, kann zwar als Investitionsmaßnahme betrachtet werden, die sich an der aktuellen Situation orientiert. Jedoch erfüllt sie nicht das Kriterium der Nachhaltigkeit. Denn die damit langfristig eingegangenen Gehalts- und Pensionsverpflichtungen werden aufgrund der schwindenden Gemeindegliederzahl nicht mehr verlässlich erfüllt werden können.

    Pfarrer Martin Trugenberger, Warmbronn

  • add Was soll der nackte Mann an der Schorndorfer Stadtkirche? Das hat mit Luther nichts zu tun!

    Die Frage bezieht sich auf eine aktuelle Kunstaktion zum Reformationsjubiläum an der Schorndorfer Stadtkirche. Mit dem „nackten Mann“ ist das Werk „Säulenheiliger“ des Künstlers Thomas Putze gemeint.

    Im Katalog, den die Schorndorfer Kirchengemeinde herausgegeben hat, wird dieses Kunst vom Künstler selbst so erklärt:

    „Das simple Vorhaben einen Menschen aus Fleisch und Blut an die Stelle eines steinernen Heiligenbildes zu stellen, entpuppt sich im Vollzug als gefährlicher Regelverstoß. Weder findet sich eine Versicherung für diese Art von Kunst noch ist es erfolgversprechend sich den Segen des Denkmalamtes dafür einzuholen. Aber so ähnlich erging es auch Martin Luther bei der Anschlagung seines Thesenpapieres an eine Kirchentür. Dazu wäre es für mich ein verwässertes, gar falsches Bild, wenn ich mich als in Stein oder Holz gemeißelte Statue dort oben platzieren würde. Ein Alleingang mit ungewissem Ausgang erscheint mir der Sache angemessen.
    Meinen Körper will ich mit Sand einreiben um mich möglichst dem Mauerwerk anzugleichen. Wie fühlt es sich an, sich so auszusetzen und gleichzeitig Teil der Fassade eines Gebäudes zu sein, dass um den exponierten Körper am Kreuz gebaut wurde? Welchen Impuls erfahren die Zuschauer durch dieses Bild?
    Dabei weiß ich nicht sicher, ob das überhaupt ein Bild ist, was ich da gebe, oder mehr die handgreifliche Suche danach. Unumstößliche Bilder haben bei den Reformatoren eh schlechte Karten gehabt. Vielleicht ist dieses der Kunst eigene sich wundern, was das soll, dem Glauben viel näher.“

     
    Pfarrer Tobias Neumann, Schafhausen
     

  • add Warum tragen die Pfarrer immer noch den Lutherkittel? Wie wär’s mit einem moderneren Gewand?

    Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurde, durch Anordnung König Friedrich Wilhelms III. von Preußen, der schwarze Talar mit weißem Beffchen (Halsbinde, Kragen) zum liturgischen Kleidungsstück im evangelischen Gottesdienst. „Der schwarze Talar stammt möglicherweise aus der akademischen Tradition oder aus der Tradition eines schweren, warmen Herrenmantels.“ In der Reformationszeit war die Frage nach der Amtstracht unterschiedlich beantwortet worden. So lehnte z.B. Zwingli in der Schweiz eine besondere liturgische Kleidung ab, Luther dagegen trug zur Predigt einen weiten, schwarzen Überrock, das Abendmahl reichte er zeitlebens im Messgewand (einem Überwurf, der in der Farbgebung der Kirchenjahreszeit entsprach).

    Für Pfarrerinnen und Pfarrer der Württembergischen Landeskirche gilt im Blick auf die Amtskleidung folgende Regelung: Schwarzer Talar mit weißem Beffchen, im Freien darf als Kopfbedeckung ein Barett getragen werden; dazu kann eine den Farben des Kirchenjahrs entsprechende Stola über dem Talar getragen werden. Alternativ dazu gibt es, wenn das in der Gottesdienstordnung einer Gemeinde so festgelegt wird, die Möglichkeit, eine Mantelalbe („weißer Talar“) mit Stola zu tragen.

    Im Blick auf den „Lutherkittel“ hat sich also schon einiges verändert. Aber der Talar bleibt das „Erkennungszeichen“ eines evangelischen Pfarrers oder einer evangelischen Pfarrerin. Dass es hier eine einheitliche Regelung gibt, ist sicher gut; und es gibt einen praktischen Nebeneffekt – kein Pfarrer und keine Pfarrerin muss sich vor dem Gottesdienst am Sonntag fragen: Was ziehe ich heute an?

    Pfarrer Matthias Bauschert, Renningen

  • add Wie kann die Kirche Kirchenaustritte verhindern?

    Wir können Kirchenaustritte nur verhindern, wenn wir gute Gründe nennen können, die für die Mitgliedschaft in unserer Kirche sprechen. Ich möchte nur einige nennen.

    Als Mitglied unserer Kirche

    • können Sie in unseren Kirchen und kirchlichen Räumen zur Ruhe kommen und ihr Leben im größeren Horizont Gottes und in seinem Licht sehen.
    • können Sie mit uns an den Schnittstellen des Lebens Feste feiern, wie die Taufe, die Konfirmation oder die Hochzeit.
    • werden Sie von der Wiege bis zur Bahre in guten und schweren Zeiten des Lebens von uns – so gut es geht – begleitet.
    • setzten Sie der sozialen Kälte etwas entgegen, weil wir uns als Kirche um Menschen kümmern, die arm, alt, eingeschränkt oder krank sind.
    • machen Sie sich stark für christliche Werte wie Toleranz, Respekt, Nächstenliebe und der Ehrfurcht vor dem Leben.
    • können Sie Ihre musikalischen, menschlichen, kreativen oder organisatorischen Gaben ausleben.
    • werden Sie nicht – wie so oft im Leben – nach Leistung beurteilt. Sie sind willkommen, mit Stärken und Schwächen, mit Gaben und Beschränkungen.

    Wenn Sie ein aktiver Teil der christlichen Bewegung sein möchten und nicht nur neutraler Zuschauer, dann bleiben Sie am besten unserer Kirche treu!

    Pfarrer Thomas Nonnenmann, Weissach

  • add Freizeit-Konsum am Sonntag? Wie kann sich Kirche dagegen behaupten?

    Wir können den Menschen als Kirche nicht vorschreiben, was sie am Sonntag zu tun und zu lassen haben. Wir können aber kritisch nachfragen: Muss dem Alltagsstress wirklich der Freizeitstress folgen? Muss ich wirklich alles mitnehmen, was in unserer modernen Welt möglich ist? Und wir können an das 3. Gebot erinnern. Es fordert uns dazu auf, den Feiertag zu heiligen. Es lädt uns dazu ein, an einem Tag in der Woche in besonderer Weise mit Gott in Berührung zu kommen und daraus Kraft, Hoffnung und Zuversicht für den Alltag zu schöpfen. Für Freizeitkonsum, für Entspannung und Abenteuer, für Spiel und Spaß bleibt daneben sicher noch genug Zeit.

    Pfarrer Thomas Nonnenmann, Weissach

  • add Warum wird in der katholischen Kirche im Glaubensbekenntnis nicht die christliche, sondern die katholische Kirche formuliert?

    Das Wort „katholisch“ bedeutet ursprünglich so viel wie „allgemein“, „allumfassend“. Die römisch-katholische Kirche lehrt, dass sie mit der „einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche“ identisch sei. Deshalb nennt sie sich „katholisch“. Die anderen Kirchen betonten hingegen, dass Christen aller Konfessionen zu der im Glaubensbekenntnis genannten „katholischen“ Kirche gehören. Deshalb wird in der evangelischen Kirche lieber von „christlich“ als von „katholisch“ gesprochen. Geht man aber allein von der Bedeutung des Wortes „katholisch“ aus, stimmt die katholische Fassung im Grunde mit der evangelischen überein.

    Pfarrerin Carmen Stamer, Leonberg

  • add Warum gibt es viele katholische Feiertage und so wenig evangelische?

    Weil die Protestanten sämtliche Marien- und Heiligenfeste aus ihrem Kalender gestrichen haben. Wichtige Feste wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten werden aber in der katholischen wie auch in der evangelischen Kirche begangen.

    Pfarrerin Carmen Stamer, Leonberg

  • add Wieso lehrt die Kirche nicht die eine Wahrheit der Bibel: Jesus Christus?

    Die Kirche lehrt die eine Wahrheit der Bibel: Dass Jesus Christus auferstanden ist und zur Rechten Gottes sitzt. Als Christen glauben wir an den dreieinigen Gott – gewiss ist dabei der Glaube an den auferstandenen Christus das herausragende. Wir Menschen sind mit Gott versöhnt durch Jesus Christus. Aber wir glauben genauso, dass Gott die Welt erschaffen hat und wir nur durch den heiligen Geist zum Glauben finden.

    Pfarrer Andreas Löw, Höfingen

  • add Warum wird die Bibel nicht mehr als Gottes Wort (unfehlbar, ewig gültig) angesehen?

    Da nicht einmal die Zehn Gebote direkt aus der Feder Gottes stammen und wir auch die Bibel nicht als von Gottes eigener Hand geschrieben halten, können wir nur sagen: In den Worten der Bibel steckt Gottes Wort. Das unterscheidet uns fundamental von anderen Religionen.
    Gott arbeitet mit den Menschen zusammen. Er braucht sie, um seinen Willen weiterzusagen. Dabei werden die Menschen aber nicht zu willenlosen Sklaven ohne eigene Ansichten. Vielmehr schrieben sie ihre Erfahrungen mit Gott in der Weise nieder, wie sie sie – durchaus unterschiedlich – erlebten.
    Das ist deutlich zu erkennen z.B. in der verschiedenen Darstellung von Jesusgeschichten in den Evangelien, aber auch im Alten Testament, in dem z.B. die Schöpfungsgeschichte mehrfach und unter verschiedenem Blickwinkel erzählt wird.
    Aus den Worten der Bibel spricht Gottes Wort zu uns; wir müssen es erkennen, hören und tun.

    Pfarrer Andreas Löw, Höfingen

  • add Ist das, was die Kirche als sinnstiftend verkauft, nicht sehr abstrakt? Auf zu viele Fragen gibt es wo anders schlüssigere Antworten!

    Vielleicht zeigt sich hinter dieser Anfrage an die Kirche eine tiefe Sehnsucht oder Enttäuschung, die ich sehr gut verstehen kann. Denn in ihrer Geschichte hat sich die Kirche allzu oft damit begnügt, das, was sie als sinnstiftende und Halt gebende Wahrheit erkannt hat, sehr abstrakt unters Volk zu bringen.
    Heute hat sich da aus meiner Sicht – Gott sei Dank! – vieles verändert – ich möchte das am Beispiel der Arbeit mit jungen Menschen in der Schule oder auch in der Konfirmanden- und Jugendarbeit ein wenig verdeutlichen. Heute versuchen wir, von den jungen Menschen auszugehen und dabei auf ihre Fragen des Lebens und Glaubens einzugehen – und wir stellen überrascht fest:
    Sehr häufig berühren diese Fragen wichtige Grundthemen unseres Glaubens: Woher bekomme ich Liebe und Anerkennung im Leben? Wie funktioniert ein friedliches Zusammenleben? Lebe ich nach dem Tod weiter? … Auf diese Grundfragen des Lebens gibt der Glaube aus meiner Sicht dann schon verstehbare und auch überzeugende Antworten wie: Jeder Mensch ist in Gottes Augen einzigartig und ungeheuer wertvoll. Jeder Mensch ist von Gott geliebt, auch wenn er einmal einen Fehler gemacht hat. Jeder Mensch darf darauf vertrauen, dass auch über seinem Leben nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern Jesus Christus, der auferstandene Herr. Wenn wir so elementar und in Verbindung mit wichtigen Erfahrungen über den Glauben als Vertrauen auf Gott ins Gespräch kommen, kann er m.E. auch heute noch junge Menschen auf ihrem Weg ermutigen und stärken, selbständig und verantwortlich ihren Glauben zu entwickeln und dann auch in dieser Welt mit ihren Herausforderungen zu leben.

    Pfarrer Michael Widmann, Perouse